Schutz schon vor dem ersten Atemzug:
Keuchhusten-Impfung während der Schwangerschaft

Keuchhusten ist keine harmlose Kinderkrankheit, sondern kann bereits Babys treffen, für die eine Erkrankung schnell lebensbedrohlich werden kann. Glücklicherweise gibt es eine gute Möglichkeit, Babys vor einer Erkrankung mit Keuchhusten zu schützen: eine Impfung gegen Keuchhusten – und zwar schon während der Schwangerschaft!

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat im Frühjahr 2020 ihre Impfempfehlungen für Schwangere erweitert. Neben einer Grippeschutzimpfung empfiehlt die Kommission nun auch eine Impfung gegen Keuchhusten im letzten Trimester der Schwangerschaft (bei Gefahr einer Frühgeburt bereits früher). Studien haben gezeigt, dass dies der beste Zeitpunkt ist, um einen sogenannten „Nestschutz“ für das Ungeborene aufzubauen, damit es nach der Geburt gegen eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung geschützt ist.

Mehr zum Projekt erfahren Sie auch in unserer       Pressemitteilung

Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten, auch Pertussis genannt, ist eine hochansteckende Erkrankung der Atemwege, die oft durch heftige Hustenanfälle und Atemnot gekennzeichnet ist.

Keuchhusten wird durch Bakterien verursacht, wobei Bordetella pertussis der hauptsächliche Erreger ist. Er kommt nur beim Menschen vor. Die Bakterien setzen sich in den Atemwegschleimhäuten fest und bilden dort Giftstoffe, die die Schleimhaut der Atem- und Luftwege angreifen und schädigen. Sie sorgen auch dafür, dass sich lokal die Abwehrkräfte verschlechtern.

Keuchhusten ist weltweit verbreitet. Im Gegensatz zur Grippe (Influenza), die saisonal ist, kommt Keuchhusten ganzjährig vor. In Deutschland zählt Keuchhusten zu den sechs häufigsten Infektionskrankheiten.

Warum sind Babys besonders gefährdet?

Früh- und Neugeborene sowie Säuglinge sind durch eine Keuchhustenerkrankung besonders gefährdet. Bei ihnen verläuft Keuchhusten häufig anders als bei Kindern und Erwachsenen. Sie husten oft nicht, was es auch schwerer macht, die Krankheit zu erkennen. Stattdessen kommt es bei ihnen oft zu Atemstillständen und Atemaussetzern.

Außerdem verfügen sie zu Beginn ihres Lebens über keine eigenen natürlichen Abwehrkräfte und sie haben auch keinen automatischen Nestschutz. Bei ihnen treten Krankheitsverläufe mit schweren Komplikationen und Krankenhausaufenthalten daher auch am häufigsten auf. Für Neugeborene und Säuglinge ist Keuchhusten potentiell lebensbedrohlich.

Früh- und Neugeborene können sich ab ihrem ersten Lebenstag anstecken. In etwa 80 % der Fälle springen die Bakterien von einer engen Kontaktperson – insbesondere den Eltern, Großeltern und Geschwistern – auf sie über. Häufig merkt es die Kontaktperson nicht einmal, dass sie selbst Keuchhusten hat.

Wie kann ich mein Baby vor Keuchhusten schützen? Was ist „Nestschutz“?

Um Früh- und Neugeborene gegen eine Keuchhustenerkrankung zu schützen, kann man sich den sogenannten „Nestschutz“ zunutze machen.

„Nestschutz“ beschreibt das Phänomen, dass Schwangere über den Blutkreislauf Antikörper und Abwehrkräfte auf ihr ungeborenes Kind übertragen. Auch die in der Muttermilch enthaltenen Antikörper schützen Babys später vor bestimmten Krankheiten. Dadurch ist das Baby in den ersten Lebensmonaten geschützt, während sich sein eigenes Immunsystem langsam weiterentwickelt und der Zeitpunkt kommt, wann es ggf. selbst geimpft werden kann.

Die Übertragung von mütterlichen Antikörpern auf das Ungeborene funktioniert allerdings nur, wenn genügend Antikörper gegen den fraglichen Erreger im Blut vorhanden sind. Bei Keuchhusten ist dies nicht automatisch der Fall!

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Konzentration von Antikörpern im Blut der Mutter gegen Keuchhusten bereits ein Jahr nach dem Impfen deutlich abnimmt. Das bedeutet, dass der „Nestschutz“ gegen Keuchhusten nicht wie bei anderen Infektionskrankheiten automatisch weitergegeben werden kann.

Gibt es eine Möglichkeit, den Nestschutz für Babys sicher aufzubauen?

Ja. Seit März 2020 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO)  offiziell, dass sich Schwangere gezielt gegen Keuchhusten impfen lassen sollen. Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass eine Impfung während der Schwangerschaft zu einer erhöhten Konzentration von Antikörpern gegen Keuchhusten im Blut der Mutter führt. Diese Antikörper übertragen sich dann auf das ungeborene Kind – der „Nestschutz“ wird aktiviert.

Wichtig: eine frühere Impfung oder bereits durchgemachte Keuchhustenerkrankung vor der Schwangerschaft schaffen keinen Nestschutz! Es muss in jeder Schwangerschaft neu geimpft werden, um das Ungeborene zu schützen.

Wann sollte in der Schwangerschaft geimpft werden?

Die Forschung zeigt, dass der beste Zeitpunkt für eine Keuchhustenimpfung in der Schwangerschaft der Beginn des 3. Trimesters ist – also ab der 28. Schwangerschaftswoche. Spätestens aber zwei bis vier Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin sollte die Impfung erfolgt sein.

Bei Verdacht auf Frühgeburt sollte schon im 2. Trimester geimpft werden.

Wichtig: Es muss in jeder Schwangerschaft neu geimpft werden, um den Nestschutz erneut aufzubauen.

Mehr zu Impfungen in der Schwangerschaft

Interview mit Professorin Mechthild Groß

Mechthild Groß ist Professorin für Hebammenwissenschaften und forscht und lehrt an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Im Interview erklärt sie unter anderem,

  • warum Keuchhusten für Früh- und Neugeborene gefährlich sein kann,
  • wie die Schutzimpfung während der Schwangerschaft funktioniert und
  • welche Rolle das Impfen in der Schwangerenvorsorge spielt.

 

Das ganze Interview

Im Gespräch mit Prof. Groß

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Interview mit Dr. Marianne Röbl-Mathieu

Dr. Marianne Röbl-Mathieu ist Mitglied der STIKO und Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit eigener Praxis in München.

Im Interview erklärt sie unter anderem,

  • wie sich der Impfschutz von der Schwangeren auf das ungeborene Kind überträgt,
  • warum in jeder Schwangerschaft geimpft werden sollte und
  • warum die STIKO die Empfehlung zur Impfung ausgesprochen hat.

 

Das ganze Interview

Im Gespräch mit Dr. Röbl-Mathieu

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Interview mit Dr. Christian Albring

© Christian Albring

Dr. Christian Albring ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF).

Im Interview erklärt er unter anderem,

  • warum Keuchhusten ein wichtiges Vorsorgethema in der Schwangerschaft ist,
  • warum die Keuchhusten-Impfung in der Schwangerschaft eine sinnvolle Maßnahme sein kann und
  • was bei einem guten Aufklärungsgespräch zum Impfen in der Schwangerschaft zu beachten ist.

 

Das ganze Interview

Weiterführende Links

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Die Kampagne „Schutz schon vor dem ersten Atemzug“ wurde unabhängig von EFCNI entwickelt.